Es handelt sich bei dieser Arbeit um die Frage, welche Rolle die deutsche Sprache und Kultur in der koreanischen Gesellschaft bis heute gespielt haben und noch in Zukunft spielen werden, wobei die folgenden verschiedenen Bereiche in Betrachtung genommen wurden: Wissenschaft, Kunst, Wirtschaft und Werbesprache. Außerdem wurde einen Überblick über die Geschichte der Fremdsprachenausbildung in Korea gegeben.
Bis in die 1950er war die deutsche Sprache in Korea in den meisten wissenschaftlichen Bereichen von großer Bedeutung vor allem in der Philosophie, Sozialwissenschaft, Rechtswissenschaft, Medizin und Musik. Danach verlor die deutsche Sprache allmählich ihre Bedeutung, während Englisch und Japanisch eine zunehmend dominierende Rolle spielten.
Die deutsche Medizin und die deutsche Sprache haben zur Entwicklung der westlichen Medizin in Korea einen großen Beitrag geleistet. Zum Beispiel hat Deutsch in den Curricula der Seoulund der Kyungpook Medizinschule bis 1945 fast eine gleich starke Stellung wie Englisch oder zeitweise noch stärkere Stellung gehabt. Aber das Jahr 1945, besonders der Korea Krieg (1950- 1953) war ein entscheidender Wendepunkt. Seitdem sind die deutsche Medizin und Deutsch verdrängt worden. Es hat heute völlig an Boden verloren.
Und um die Beeinflußung der deutschen Musik in Korea fest zustellen, wurden in Korea erschienene Musiklehrbücher und wissenschaftliche Beschäftigung in der Musikwissenschaft untersucht. Nach der Analyse der Musiklehrbücher ist folgendes zu bemerken: Im ersten Schuljahr werden überwiegend Komponisten aus dem deutschsprachigen Raum behandelt. Auf dem Hochschulbereich üben sie einen größeren Einfluss aus. Bei der Untersuchung der Magisterarbeiten auf dem Gebiet Vokal-, Klavier-, Kammer- und Instrumentalmusik zwischen 1958 und 1987 fällt auf, dass ca. 60-70 % der Arbeiten Komponisten des deutschsprachigen Raums behandeln.
Anders als in den oben erwähnten Bereichen ist die Einstellung koreanischer Firmen zur deutschen Sprache extrem negativ. Seitens der koreanischen Firmen wird der deutschen Sprache für ihre geschäftlichen Aktivitäten keinerlei Bedeutung beigemessen, in vielen Fällen wurde auch das negative Image der deutschen Sprache erwähnt. So kommt es nicht von ungefähr, wenn Absolventen eines Studienganges in Germanistik ihre deutsche Sprachkenntnis in Bewerbungsschreiben erst gar nicht erwähnen, sondern stattdessen nur ihre in den Englischzertifikaten TOEIC und TOEFL erlangten Punktzahlen angeben.
Neben solchen Bereichen wurde in dieser Arbeit auch die Frage untersucht, ob und welche Bezeichnungen von Geschäften und Gebäuden aus der deutschen Sprache und Kultur stammen. Auch in diesem Untersuchungsbereich dominiert Englisch und wird Deutsch selten verwendet. Allerdings sind bei Kaffee-, Bierhäusern und Konditoreien deutsche Benennungen nicht selten zu beobachten. Viele Kaffeehäuser tragen die Namen der in Korea beliebten Komponisten aus dem deutschsprachigen Raum: Mozart, Schubert, Brahms und Beethoven, oder auch ihrer Werke. Für Bierhäuser bevorzugt man Stadt- bzw. Ortsbezeichnungen wie München, Bern, Berlin, Heidelberg, Schwabing und Mosel.
Außer solchen Gesichtspunkten wurde hier auch die geschichtliche Entwicklung der Fremdsprachenausblidung in Korea untersucht. Diese Entwicklungsgeschichte hat eine enge Beziehung mit der politischen Geschichte. Chinesisch galt bis Ende des 19. Jahrhunderts als Bildungssprache, und zwar nur für höhere Schichten der Bevölkerung. Der Fremdsprachenunterricht als allgemeine Bildung an Schulen hat seinen Ursprung in den spezifischen Fremdsprachenschulen, die Ende des 19. Jahrhundert gegründet wurden, in dem der Modernisierungsprozess Koreas begann: Englisch, Deutsch, Französisch, Russisch, Chinesisch und Japanisch konnte man dort bei Muttersprachlern lernen. In der koreanischen Fremdsprachenausbildung haben aber heutzutage Englisch und Japanisch erste Priorität vor allen anderen Sprachen. Deutsch wird zwar an den Schulen unterrichtet, findet aber darüber hinaus, etwa im Berufsleben, so gut wie keine praktische Verwendung.
Die Untersuchung zeigt auch in anderen Bereichen einen Wandel, nämlich bei der Benennung der Fremdsprachen, der Zahl der Fremdsprachen und den Unterrichtsinstitutionen. Es ist dabei festzustellen, dass die Unterrichtsmethoden und Lerngewohnheiten am wenigsten mobil sind.
Wenn man solche Untersuchungsergebnisse zur Rechnung trägt, scheint der Rückgang des Bedarfs der deutschen Sprache in Korea unvermeidbar sowohl in der Schule und als auch in der Universität zu sein, obwohl auch in Zukunft Koreaner Interesse an der Kultur der deutschsprachigen Länder - im großen Abstand nach den USA, Japan und China - zeigen werden. Das könnte eine negative Kettenreaktion auslösen: die Anzahl von Deutsch- Experten geht zurück, ihre Berufschanchen verschlechtern sich weiter, viele Institutionen müssen zwangsweise geschlossen, Forschungaktivitäten beschränkt werden usw.
Wie vorher festgestellt, gründet sich das bestehende Lehrangebot an Deutsch in Korea weniger auf einem wirklich existierenden gesellschaftlichen Bedarf, sondern auf der Macht, über die Institutionen und Strukturen verfügen. Eine am Anbieter orientierte Schulpolitik hat lange Zeit den Bedarf an Deutsch in Schulen und Universitäten garantiert. Mit dem nun stattfindenden Wandel hin zu einer nachfrageorientierten Schulpolitik verliert das Schulfach Deutsch sein bisheriges Fundament.
Quantitativ gesehen hat der Markt für Deutsch als Fremdsprache in Korea eine Phase des Wachstums hinter sich und erlebt nun einen vielerorts deutlichen Abschwung. Die Krise, in der sich Deutsch als Fremdsprache in Korea zur Zeit befindet, wird sich vermutlich angesichts der gesellschaftlichen Bedingungen, des herrschenden Zeitgeists und der ungünstigen Schulpolitik fürs Erste fortsetzen. Geht man von einem Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage aus, wird dieser Abwärtstrend erst zum Stillstand kommen, wenn ein Gleichgewicht hergestellt ist. Selbstverständlich sind solche Tendenzen im Zusammenhang mit der umfassenden Restrukturierung zu sehen, in der sich die koreanische Gesellschaft momentan befindet.