In der vorliegenden Studie wird die Problematik der geistigen Freiheit behandelt, die Thomas Mann in seinem Aufsatz “Deutschland und die Deutschen” als typisches Deutschtum kritisierte. Er betrachtete die geistige Freiheit als Gegensatz zur politischen Freiheit. Von diesem Standpunkt aus erscheint Hesse als Schriftsteller, der sich in seinen Werken nur an der geistigen Freiheit festzuhalten schien. Besonders das künstlerische Schöne hat er dabei als ihr typisches Modell verwendet. Das kann man gut in Narziss und Goldmund feststellen, eines der schönsten Werke in seinen Bestrebungen hin zu einer zyklischen Selbstwerdung. Diese Studie versucht darin, Charakteristika eines engagierten Kunstverständnisses herauszuarbeiten und den Schriftsteller so in einem neuen Licht darzustellen. Tatsächlich, so zeigt sich, war für Hesse das künstlerische Schöne nur scheinbar ein Ausdruck deutscher Innerlichkeit. Das zeigt sich deutlich im ‘moralisch-innenpolitischen Charakter’ seines Werkes, in dem er die Politik der väterlichen Macht durch die Politik der mütterlichen Liebe ersetzte. Schließlich resultierte sein Konzept des künstlerischen Schönen in keiner unpolitischen, sondern einer politisch-bestimmten Freiheit.