Neben G. Grass zahlt H. Boll zu den herausragenden deutschsprachigen Schriftstellern der Nachkriegszeit. In Korea wurde Boll in den 60er Jahren eingefuhrt. Nachdem er 1972 den Nobelpreis fur Literatur erhalten hatte, stieg sein Bekanntheitsgrad rasch an. Ein nicht zu unterschatzender Grund fur Bolls außergewohnliche Beliebtheit in Korea scheint darin zu liegen, dass seine Werke die Menschlichkeit in einer entmenschlichten Gesellschaft zum Gegenstand haben.
Zwei Artikel in den Zeitungen ‘Kyeonghyang’ und ‘Donga’, in denen Boll als humanitarer Schriftsteller vorgestellt wird, sind fruhe Belege fur das koreanische Interesse an Boll. Nach der Verleihung des Nobelpreises entstehen dann auch erste Studien- und Forschungsarbeiten. Allerdings war die anfangliche Boll-Rezeption in Korea fehlerhaft. Man sah ihn als fuhrenden Dichter der ‘47 Gruppe’ an, obwohl er keineswegs zu irgendeiner Gruppe oder Institution gehoren wollte, sondern stets seine Unabhangigkeit als freier Schriftsteller betonte.
Bis heute sind die meisten seiner Werke ins Koreanische ubersetzt worden; u. a. “Und sagte kein einziges Wort”, “Gruppenbild mit Dame” und “Die verlorene Ehre der Katharina Blum”. Nur fur einige Erzahlungen und Kurzgeschichten sowie fur Bolls ersten Roman “Kreuz ohne Liebe” liegen noch keine Ubersetzungen vor. Dieses Desiderat will die Koreanische Heinrich-Boll-Gesellschaft in naher Zukunft schließen.
Die Boll-Forschung in Korea lasst sich unter mehreren Hauptthemen subsumieren: 1. Die Asthetik des Humanen, die Boll in den meisten seiner Werke konsequent behandelt. 2. Die Bollsche Gesellschaftskritik. 3. Die Bollschen Gemeinschaftsutopien. 4. Das Motiv ‘Leistungsverweigerung’. 5. Die Strukturanalyse von Bolls Werken. 6. Die Figurenkonstellation. 7. Die asthetische Bewertung seiner Werke, u.s.w.
Im Jahr 2001 wurde die Koreanische Heinrich-Boll-Gesellschaft gegrundet und sie schlug ein neues Kapitel in der Boll-Forschung auf. Ungeachtet des schweren Stands der Germanistik heutzutage sind Bolls Werke hochaktuell und beanspruchen eine wichtige Stellung in der deutschen Literaturgeschichte.