Die vorliegende Arbeit ist aus dem Interesse an der Theoriebildung der Kultursoziologie auf dem Gebiet der Literatur und Gesellschaft entstanden. Der Begriff der Zivilisation von Norbert Elias bildet dabei den zentralen Bezugspunkt. Elias erklart in seinem Hauptwerk Uber den Prozess der Zivilisation Zivilisierung als einen langfristigen Wandel der Personlichkeitsstruktur, den er auf einen Wandel der Sozialstrukturen zuruckfuhrt. Die Faktoren des sozialen Wandels sind fur ihn der kontinuierliche technische Fortschritt und die Differenzierung der Gesellschaften einerseits und die menschliche Interdependenz durch den standigen Konkurrenz und Machtkampf andererseits. Diese Eliassche Zivilisationstheorie fand seit den siebziger Jahren auch in der Literaturwissenschaft verstarkte Beachtung. Elias betrachtete das menschliche Empfinden und Verhalten unter dem Aspekt der Transformation der psychischen Personlichkeitsstrukturen, die auch zum Gegenstand der Literaturforschung gehoren. Entsprechend untersucht diese Arbeit, inwiefern sich die Beziehungen zwischen Literatur und Gesellschaft anhand der Eliasschen Zivilisationstheorie begrunden lassen. Es wird dafur argumentiert, dass die sozialpsychologischen Kategorien nahezu alle Aspekte der literarischen Handlungen erfassen.