Die vorliegende Abhandlung befasst sich damit, die Reflexion uber Geschichte und Kunst des spaten Schillers in seinem Geschichtsdrama Wallenstein zu untersuchen. Diese poetischen Reflexionen sind mit Schillers theoretischen Uberlegungen in seiner asthetischen Schrift Briefe uber die asthetische Erziehung des Menschen eng verbunden. In den ersten Teilen der asthetischen Schrift stellt Schiller die Ereignisse der franzosischen Revolution und die gesellschaftlichen Gegebenheiten des 18. Jahrhunderts kritisch dar. Angesichts dieser Umstande kommt der Kunst nach Schiller nun die Aufgabe zu, die Totalitat des Menschen wiederherzustellen. Schiller beschreibt aber in den letzten Teilen der asthetischen Erziehung des Menschen mit den Ausdrucken von Spiel sowie Schein die Autonomie der Kunst, die unabhangig von der Wirklichkeit sein soll. Schiller unterscheidet so deutlich zwischen dem Verstandnis der Geschichte und dem Verstandnis der Kunst. Die theoretische Reflexion wird in poetischer Weise im Drama Wallenstein dargestellt. Zuerst zeigt das Drama die Wirklichkeit im Kriegszustand deutlich als eine verkehrte Welt, in der die Personen lediglich die sinnlichen Triebe sowie die egoistischen Zwecke der Machtbedurfnisse verfolgen und damit sittliche Werte und Nomen nicht mehr gelten. Hier wird Schillers desillusionierte Sicht auf die Geschichte in poetischer Weise vermittelt. Dann versucht Schiller im zweiten und dritten Teil der Trilogie durch die Figuren Wallenstein und Max Piccolomini uber die Schonheit sowie die Kunst in der Geschichte zu reflektieren. Die beiden Figuren, die als Kontrast zu den sie umgebenden Personen erscheinen, gelten als Gestalten unterschiedlicher Schonheiten. Dabei zeigt Wallenstein sich als Gestalt der falschen und bedurftigen Schonheit, Max als diejenige der aufrichtigen und selbststandigen Schonheit. Die beiden Gestalten der Schonheit, die die unterschiedlichen Formen des Scheins vertreten, kommen im Drama auf verschiedene Weisen zu Tode. Folglich zeigt Schiller im Fall von Wallenstein und Max, dass in der Welt der Geschichte nicht nur fur die Gestalt der falschen Schonheit kein Platz ist, sondern auch nicht fur die der aufrichtigen Schonheit. Auf diese Weise veranschaulicht Schiller seine Reflexionen uber das Verhaltnis von Geschichte und Schonheit.