Becks Analyse folgend ist die heutige Welt aus der klassischen Industriegesellschaft herausgelost und nimmt eine neue Gestalt der Risikogesellschaft an. Die Risikogesellschaft kennzeichnet eine zweite Moderne, in der es nicht mehr um die Klassenkonflikte wie Reichtumsverteilung geht, sondern um die Risikohierarchie wie Risikoverteilung. Die Risiken sind zwar ein Beiprodukt von der industriellen Modernisierung, aber sie beeinflussen die spatmoderne Lebenswelt unermesslich. Insbesondere uben sie einen starken Druck auf das individualisierte Familien- und Arbeitsleben aus. Es kommt also zum Wechsel von der Logik der Reichtumsverteilung in der einfachen Moderne zur Logik der Risikoverteilung in der reflexiven Moderne. Die Modernisierungsrisiken sind zugleich wirklich und unwirklich, weil sie die auf die Zukunft gerichteten latenten Nebenwirkungen von heute sind. Sie bringen vor allem eine Situation der verlorenen Sicherheit und des gebrochenen Vertrauens hervor. Risiken entfalten jedoch die egalisierende Wirkung. Darin liegt ihr politisches Potential, das die zivile Subpolitik uberhaupt moglich macht. Nach Beck kann die ``Solidaritat aus Angst`` vermittelst der Reflexivitat zur politischen explosiven Kraft werden. Die Reflexivitat bedeutet dabei keine postmoderne Tendenz, sondern sie kennzeichnet die radikalisierte Moderne. Insofern lebt die spatmoderne globalisierte Weltgesellschaft von der politischen Dynamik der Modernisierungsrisiken und Reflexivitat. Becks Risikogesellschaftstheorie selbst ist insofern als ein reflexives Projekt fur die Radikalisierung der Modernitat sowie die Befreiung der Politik zu betrachten.