Astheische Briefe sind ein Kunstprogramm, mit dem Schiller als "Sachwalter" der Kunst in der Zeit der Aufdifferenzierung der Gesellschaft in Funktionssysteme die Funktion und die Selbstreferenz des Kunstsystems zu begrunden versucht. Im Prozeß der Ausdifferenzierung muss die Kunst allein mit dem Code Schonheit operieren. Insofern als soziale Systeme aufgrund ihrer spezifischen gesellschaftlichen Funktionen existieren, fragt sich der "Sachverwalter" der Kunst danach, welche spezifische Funktion der Schonheit bzw. der schonen Kunst zugeteilt wird. Das Konzept einer solchen Funktion, die in der Gesellschaft nur die Schonheit bzw. die schone Kunst erfullen kann, begrundet sich auf die Bildung der menschlichen Totalitat, deren Bedarf aus Kritiken an der Franzosischen Revolution und an der modernen Gesellschaft uberzeugend erortert wird. Und die Frage, wie die Schoneit die Totalitat des Menschen bildet, wird direkt danach durch die transzendentale Deduktion der Schonheit aus der Bedingungen der Totalitat des Menschen beantwortet. Und daraus ergibt sich außerdem auch eine neue Identitat der schonen Kunst, das "asthetische Spiel" mit dem "aufrichtigen" und "selbstandigen Schein". Diese Selbtlegitimation der Kunst druckt sich in dem homo ludens aus. Der asthetische Mensch, ein anderer Ausdruck des "asthetischen Zustandes", den die Kunst einlosen soll, ist der wahre Mensch bzw. die "Consummation" der Menschheit. Dagegen bedeuten homo politicus, homo oeconomicus und homo sapiens usw. "Bruchstucke" der Menschheit, Entfremdung des Menschen von sich selbst. Allein die Kunst nimmt das volle Dasein des Menschen in Anspruch.