In Stahlgewittern ist das erste literarische Werk von Ernst Junger, der vom Januar 1915 bis August 1918 als Kriegsfreiwilliger an der deutschen Westfront den Ersten Weltkrieg erlebt hat. Die Grundlage des Werks bilden seine Tagebucher, die er wahrend des Kriegs ununterbrochen gefuhrt hat. Junger wollte als Augenzeuge die Grausamkeit des Kriegs moglichst konkret und anschaulich darstellen. In dem von Grabenkrieg und Materialschlacht bestimmten modernen Weltkrieg musste er erfahren, dass Menschen durch Maschinen ersetzt und von Maschinen schonungslos getotet werden. Die brutalen Szenen an der Front werden vom Autor nuchtern geschildert. Was die Ambivalenz des Werks ausmacht, ist, dass Junger den Krieg trotz all der Brutalitat und Grausamkeit weder verurteilt noch auf die poltischen Ursachen eingeht. Es konnte nicht klar herausgestellt werden, ob der Autor den Krieg verherrlicht oder verurteilt. Deshalb ist das Werk von den Zeitgenossen oder Kritikern sowohl als Antikriegsliteratur als auch als deren Gegenteil rezipiert worden. Nach dem Ersten Weltkrieg, in den 20er Jahren vertrat Junger einen revolutionaren Nationalismus. Das "Fronterlebnis" des Krieges war der Ausgangspunkt fur die extremen Nationalrevolutionaren und wurde zu einem leitenden Motiv fur ihre Protesthaltung gegenuber der Weimarer Republik. Im Vergleich zu den Vertretern der sozialromantischen konservativen Revolution waren sie militanter und schonungsloser. In Stahlgewittern stellt noch nicht deutlich eine solche politische Gesinnung des Autors dar. Aber seine spateren Essays der 20er Jahre zeugen davon. In diesem ersten Werk ging es noch um die Erfindung eines vorbildlich-heroischen Kriegertyps. In der vorliegenden Studie wird deshalb untersucht, welche klassischen Werte der Text im Kern mit diesem mythischen Kriegermodell reprasentiert und wie er diesbezuglich asthetisch funktioniert und welchen Stellenwert er fur die spatere Dichtung von Junger hat.