In der vorliegenden Arbeit wird die Kapitalismusanalyse in Walter Benjamins Text Kapitalismus als Religion(1921) behandelt. Im Mittelpunkt der Argumentation steht das Verhaltnis zwischen Kapitalismus und Religion. Der Kapitalismus diene, so heibt es, ``essentiell`` der Befreiung von denselben Sorgen, Qualen und Unruhen, auf die fruher die Religionen Antwort gaben. Es geht um die religiose Struktur des Kapitalismus oder die kapitalistische ``Kultreligion``. Kapitalismus als Kultreligion zeigt mehrere Zuge. Er hat erstens, so Benjamin, keine spezielle Dogmatik und keine Theologie. Zweitens weist sein Kultus ``die permanente Dauer`` auf, weil es ``keinen Wochentag`` gibt. Drittens ist er nicht ``entsuhnend``, sondern ``verschuldend``. Die wesentlichen Charakteristika der kapitalistischen Religion bestehen in der permanenten Dauer und einer Steigerung bis ans Ende. Dabei gibt es keinen Ausweg oder keine Umkehr als das Weiter-Arbeiten. In diesem Zwangssystem kann man nur schwer Ruhe und Besinnung zur Reflexion finden. Das Geld gilt als funktionales Aquivalent fur Gott, was Kenneth Burke als ``Transsubstantiation des Geldes`` bezeichnet hat. Hier funktioniert das Profitmotiv wie der Eine Gott als Quelle aller Tatigkeit. In dieser Welt des vergottlichten Geldes muss man sich immer schuldig fuhlen und Schulden machen. Denn Schuld wird mit Sunde gleichsetzt und Nicht- oder Weniger-Verdienen wird als Unfahigkeit oder gar Verbrechen bezeichnet. Die verschuldete Situation wird auf diese Weise verewigt. Der universal verschuldende Kultus konstituiert das Lebendige als Schuldzusammenhang. In diesem Sinne ware es eine der schrecklichsten Katastrophen, die uns noch drohen konnten, dass die heutige kapitalistische Gesellschaft sich nicht uber diesen pessimistischen Erklarungsversuch erheben konnte.