Bis in die 60er und 70er Jahre ist die U¨bersetzungswissenschaft meist mit rein linguistischen Modellen erlau¨tert worden. Dagegen hat W. Koller die U¨bersetzung aus neuen Perspektiven aufgefaßt. Nach seiner Auffassung ist die U¨bersetzung eben nicht als bloße linguistische Umkodierung zu bezeichnen. Dadurch trat eine wichtige wissenschaftliche Erkenntnis, da sich die Sprache aus einer bestimmten Situation innerhalb eines kulturellen Rahmens ergebe, auf. D.h. die U¨bersetzung kann nicht als Substitution des Sprachzeicheninventars beschrieben werden, sondern als kultureller Transfer. Hier ist Kriterium der U¨bersetzung endg¨ultig nicht mehr Bedeutungsidentita¨t beider Sprachen, sondern die kommunikative A¨quivalenz zweier Texte. Nach Steiners Definition ist es Kernwort, daß Sprache gar nicht in erster Linie Informationen vermittele, sondern ihrem Ursprung und Wesen nach Potentiale der Fiktion und der unentscheidbaren Futurita¨t realisiere. Bezu¨glich seiner Definition kann man eine wichtige Definition der U¨bersetzung aufstellen, daß Sprache als geistige Mobilita¨t zwischen den Sprachen der Raum sei, wo die Bewegung zwischen Eigenem und Anderem, als Bewegung auf Freiheit hin konkret werde. Wie oben untersucht wird, hat die U¨bersetzungswissenschaft, die sick freilich von der linguistischen Seite unterscheidet, ihren Weg zur Eigensta¨ndigkeit durch die Entwicklung neuer Perspektiven und eigener Methoden fortgesetzt. Da die von mir untersuchte U¨bersetzungswissenschaft auf die literaturwissenschaftliche Richtung orientiert ist, handelt es sich in dieser Arbeit um $quot;Metatext und soziokulturelle Elemente$quot;, weil man die obengenannte Definition fu¨r eine Anna¨herung an neue Paradigmen in der heutigen U¨bersetzungsforschung halten kann. Also ist heute U¨bersetzungswissenschaft als interdisziplina¨re multiperspektivische Einheitzu verstehen.