Monika Maron aus der DDR ist eine der bedeutendsten Gegenwartsautorinnen, um deren Stasi-Verbindungen letztes Jahr ein heftiger Streit entstanden ist. Die meisten ihrer Werke enthalten eine starke Kritik am Stalinismus, der beim Aufbau der DDR als ideologische Grundlage gedient hat. Diese Kritik wurzelt in der autobiographischen Herkunft der Schriftstellerin. Denn M. Maron wuchs in einem Haus auf, in dem der Stiefvater, Karl Maron, nach dem Krieg Mitglied der Initiativgruppe des ZK der KPD fu¨r Berlin und Innenminister, und ihre Mutter auch eine aktive Kommunistin war. Die Folge der strikt stalinistischen Erziehung der Eltern war, daß sie schon als Kind eine antistalinistische Einstellung entwickelte. Sie setzte sich damit auseinander, daß die $quot;Ankunftsgeneration$quot; der DDRMachthaber, zu der ihr Stiefvater Karl Maron geho¨rte, dem sovietischen stalinistischen Modell folgte. Man kann nicht vermeiden, in einem solchen System entweder Funktiona¨r oder Instrument zu werden. In ihrem ersten Roman Flugasche beschreibt M. Maron sowohl den Konflikt zwischen Subjektwerdung und Subjektlosigkeit der Protagonistin Josefa Nadler als such die Schwierigkeiten beim Schreiben der Wahrheit und dem Streben nach Identita¨t. Der zweite Roman Die U¨berla¨uferin repra¨sentiert auch Regression und Ru¨ckzug des Subjekts: die Heldin Rosalind Polkowski flieht in die Welt irrealer Tra¨ume. Allerdings konnten die beiden Werke nicht in der DDR gedruckt werden. Aus diesem Grund u¨bersiedelte M. Maron 1988 von Berlin nach Hamburg. Nach der U¨bersiedlung hat sie ihre antistalinistische Haltung nicht vera¨ndert. Ihr dritter Roman Stille Zeile Sechs zeigt such starke Kritik. Der Roman stellt den tiefen Koaflikt zwischen $quot;Vatern$quot; und To¨chtern$quot; und deren strikte Abrechnung mit der $quot;Ankunftsgeneration$quot; dar. Der Repra¨sentant der Machthaber der DDR in diesem Roman heißt Herbert Beerenbaum. Beerenbaums Tod bedeutet die Freiheit der $quot;Opfer$quot; wie Rosalind Polkowski. Sein Tod verweist auf den erwu¨nschten Zusammenbruch eines gesellschaftlichen Systems, das von der Va¨tergeneration wie Karl Maron installiert wurde. Der letzte Roman Animal triste enba¨lt ebenfalls die Kritik an der $quot;seltsamen Zeit$quot; der DDR-Geschichte. Alle Protagonistinnen M. Marons leiden an der deformierten Wirklichkeit des unmenschlichen Zwangsstaates. Indem M. Maron ihre Protagonistinnen als Aussteigerinnen auftreten 1a¨ßt, gelingt es ihr, den Verlust der Identita¨t einerseits und das Streben nach einem neuen Aufbruch andererseits aufzuzeigen.