Die Liebe als Mann-Frau-Beziehung in Drei Frauen stellt ganz allgemein das Ich-Welt-Verhlta¨nis in einer krisenhaften Situation dar. Diese kommt dadurch zum Vorschein, daß die Liebesthematik mit unterschiedlichen zeitdiskursiven Problemkomplexen verknu¨pft ist. Die aus der modernen Physik resultierende Erkenntnistheorie und die neue Forschungsrichtung in der Psychologie sind unter anderem die Zeitdiskurse, die fu¨r Musils eigene ekenntnistheoretische und asthetische Position nicht ohne EinfluB waren, und in Drei Frauen thematisch konkretisiert werden. In drei Novellen wird die `Liebe` in einer doppelt-paradoxen Sinnstruktur (Vereinigung und Tod) gestaltet. Die Frau als Objekt der Liebe fungiert als BildMedium zur Welt- und Wirklichkeitserfahrung des Mannes. Dabei dient das Bild einerseits der Erfahrung der Wirklichkeit als Wahrheitserfahrung, was in der Liebe, in der Gefu¨hlserkenntnis realisiert wird. Das Bild der Frau bleibt an dererseits lediglich Bild, das den Zugang zur wahren Identifizierung des Objekts der Liebe, der Frau verhindert. Diese doppelt-ambivalente Sinnstruktur kann man in der dialektischen Struktur von Liebe und Tod beobachten, die in den drei Novellen varu¨ert dargestellt wird. Das Problem der Erkenntnis das anderen und der Liebe verknu¨pft sich mit dem Problem der Erkenntnis im allgemeinen, wobei Musil die Grenze der rationalen Welterfahrung problematisiert und eine andere mo¨gliche Erkenntnisform zu gestalten versucht. Die `Liebe` in den Novellen stellt sich in diesem Zusammenhang als eine andere Mo¨glichkeit der Welterfahrung dar.