Sprache ist das wichtigste Kommunikationsmittel der Menschen und zugleich Mittel und Gefa¨ß des Denkens. In dieser Hinsicht ist sie konstitutiv fu¨r das menschliche Zusammenleben und grundlegend f¨ur die Bildung, Aufrechterhaltung und Weiterentwicklung menschlicher Gesellschaften. 1949 entstanden zwei Staaten in Deutschland und zu gleicher Zeit zwei neue sprachliche Basissen. So kommt man zu der Feststellung, daß in den sprachlichen Unterschieden zwischen der BRD und der DDR sick die ideologische Konfrontation zweier Weltsysteme manifestiert. Im Wortschatz zeigt die unterschiedliche Entwicklung des Deutschen eine starke Tendenz zum Zuru¨ckgehen alter Bildungen, Aufkommen der neuen Wo¨rter, und zur Veranderung der Bedeutungen. Obwohl der Vaterland des Sozialismus Deutschland ist, war die Herausbildung der deutschen Sprache in der DDR vor ahem der russischen Sprachtradition unterstellt. Und im Stil ist DDR-Deutsch gekennzeichnet durch Anha¨ufung von tautologischen Begriffen, Inkulpationen, der kalkulierten Steigerung und syntaktischer Paralielkonstruktion, was in der Zeit des Nationalsozialismus sprachlich bewa¨ltigt ist. Glu¨cklicherweise fuhren aber doch die sprachlichen Divergenzen zwischen den beiden deutschen Staaten nicht zu der Vera¨nderung des grammatischen Systems. Welche Spur la¨ßt Ex-DDR-Deutsch in der heutigen deutschen Volkssprache? Ist das Deutsch mit der DDR vo¨llig verschwunden? Heute denken die Bu¨rger in der Ex-DDR auf West-deutsch? Das gesellschaftliche System ist revolutiona¨r zu a¨ndern, aber nur evolutiona¨r geht das Menschenleben.