Bei dieser Arbeit handelt es sich um das Verstehen des literarischen Textes durch Schuler im Literaturunterricht. Ende der sechziger Jahre hat sich in der deutschen Literaturdidaktik ein neues Paradigma durchgesetzt; die Rezeptionsdidaktik. Im Zentrum des rezeptionsdidaktischen Interesses steht die subjektive Textverarbeitung der Leser. Die Rezeptionsdidaktik geht von der Tatsache aus, daß die Sinnkonstitution des literarischen Textes endgu¨ltig vom Lesevorgang vollendet werden kann. Der Text la¨ßt sich eigentlich in unterschiedlichen historischen, sozialen, perso¨nlichen Kontexten auf verschiedene Weise lesen. Daraus erfolgt sich, daß die A¨sthetizita¨t lediglich im rezipierten Text realisiert wird. Zwar rezipiert der Leser den Text auf Grund seines Erwartungshorizontes, aber sein Rezeptionsakt wird von den Textmerkmalen kontrolliert, die als Rezeptionsvorgabe gelten ko¨nnen. Solche Kontrolle la¨ßt die Rezeption in einen Zielpunkt konvergieren, der als ada¨quate Konkretsation betrachtet werden kann. Deshalb kann man sager, daß die Literaturrezeption eigentlich zwischen der Freiheit der Divergenz und der Kontrolle der Konvergenz erfolgen kann. Der Rezeptionsdidaktik liegt die Feststellung zugrunde, daß jeder Schu¨ler als Leser die sinnkonstituierende Freiheit hat. Im Literaturunterricht darf die Textanalyse nicht autorita¨r sein. Hauptinteresse der Rezeptionsdidaktik liegt darin, die Schu¨ler zur freien Rezeption des Textes zu veranlassen und ihre potentiellen Scho¨pferkrafte zu wecken.