Brechts Theater ist ein episches, dialektisches $quot;Theater und eines der Widerspruche. Brecht gestaltete die chinesische Kreidekreis - Geschichte viermal als Stoff : im Elefantenkalb des `Mann ist Manns`,im `Odener Kreidekreis` und in einer Kurzgeschichte `Augsburger Kreidekreis`. Als er aber den `kaukasischen Kreidekreis` 1944 in Amerika schrieb, fu¨gte er ein Vorspiel hinzu. Brechts Inszenierung(1954) des kaukasischen Kreidekreis im Berliner Ensemble unterschied sich von der Auffu¨hrung in Franurt / M(1955) unter underem darin, daß in Berlin(Ost) das `Vorspiel`mitaufgefu¨hrt wurde, wa¨hrend H. Buckwitz darauf verzichtete. Im Osten, wo das `Vorspiel`gezeigt wurde, hat man es weniger beachtet als im Westen, wo es gar nicht inszeniert worden war. Im Westen machte man ihm ideologische Vorwu¨rfe dahingehend. daß das`Vorspiel` lesiglich eine politische Hymne auf die Sowjetunion sei. Auch im Osten hat sich das `Vorspiel` entschiesene Kritik zugezogen.Dort wurde dabei sogar der Realismus des Brechtschen Thesters in Frage gestellt : $quot;Entspricht den Gesetzen des Realismus, wens ein Streit zwischen zwei Kolchosen gezeigt wind in dessen Verlauf, im Widerspruch gegen alle Regeln unserer landwirtschaftlichen Kollektive und im Widerdpruch mit der bestehenden juristischen Praxis in der Sowjetunion, der Disput schließlich mit Hilfe eines Volkssa¨ngers entschieden wird, der den Kollektivbauern eine site Legende zu Geho^r brings,$quot; Diese Intrpretaion des `Vorspiels`, Brecht babe also ein falsches Bild der sowjetrussischen Wirklichkeit gegeben, entkruaftet die politisch - ideologische Kritik. Kritiker der beiden Seiten waren sich einig in der Behauptung, daß das `Vorspiel` zumindest $quot;u¨berflussig$quot;ist. Beide Seiten verkennen aber die strukturelle Funktion des`Vorspiels`.Urspru¨nglich haste Brecht noch ein Nachspiel geschrieben. Das Stu¨ck hatte also einen Rahmen, der `Vorspiel`und `Nachspiel` umfaßte. $quot;Der kaukassiche Kreidkreis ist keine Parabel. Das Vorspiel ko¨nnte daru¨ber einen Irrtum erzeugen, da a¨ußerlich tatsa¨chich die game Fabel zur Erkla¨rung des Streitfalls um den Besitz des Tals erza¨glt wird.$quot; Nach Brechts eigener Deutung ist der Zusammenhag der beiden Teile jedoch nicht als Gleichnis zu verstehen, sondern als ein historischer Kontext und damit als Aussage u¨ber die Geschichte. Ob das `Vorspiel` a¨sthetisch frdgwu¨ardig sei, weil die Bedeutung des Spiels weft u¨ber die Fragestellung des Vorspiels hinausgehe. Diese Deutung geht von der von Brecht bestrittenen Voraussetzung aus, daß das Spiel ein parabolischer Kommentar zum Problem des `Vorspiels` sei. Er ließ daher das `Nachspiel ` weg und nahm das `Vorspiel`unter dem Titel `Der Streit um das Tal` als ersten Akt mit ins Spiel hinein. Wir haben also keinen dreiteiligen Aufbau meter mit Rahmengandlung und Binnengandlung, sondern sechs Akten. Wenn man aber auf das `Vorspiel` verzichtet, wird die game epische Struktur des Stu¨ckes zersto¨rt und hebt die Brechtsche Verfremdungswirkung auf. Es sind nun weder propagandistische Effekte noch ideologische Auslegungen der Wirklichkeit beabsichtigt. Der kaukasische Kreidekteis ist damn keine Parabel, und er geho¨rt nun zur $quot;Gtoßen Pa¨dagogik.$quot;