Das Versepos “Atta Troll. Ein Sommernachtstraum” wird in dessen Epilog vom Autor Heine selbst “das letzte freie Waldlied der Romantik” genannt. Trotz dieses Selbstversta¨dnisses Heines ist dieaes Versepos nicht ohne Probleme in die deutache Romantik einzugliedern. Gerhard Ho¨hn spricht zum Beispiel in Bezug auf “Atta Troll” von einer ‘anderen Romantik’. In dieser Arbeit handelt es sich um eine Pra¨zisierung dieser ‘anderen Romantik’ in “Atta Troll”. In “Atta Troll” findet sich eine Fu¨lle von wildromantischen, schauerromantischen und eichendorfsch-spa¨tromantischen Motiven und Stimmungen. Die stimmungsvollen Landschaftdarstellungen werden aber durch die Desillusionierung relativiert. Die Zersto¨rung der Illusion ist in diesem Versepos kein Ausdruck des Einverstandenseins mit der prosaischen Wirklichkeit. Der humoristische Ton des Werka braucht beides : Illusion und Desillusionierung. In der Daratellung der rousseauistischen Naturschwa¨rmerei des “Tendenzba¨rs” Troll zeigt sich such Heroes ironische Intention. Troll ist sich dessen nicht bewußt, daß die Natur als moraliache Instanz durch das Bewußtsein vermittelt ist. Die Romantik, die Heine in “Atta Troll” wieder durchsetzen will, ist keine christlich-spiritualistiache, sondern eine heidniach-senaualistische. Diese romantisch-sensualistische Lebensanachauung und die freie Fantasie des Autors gipfeln sich in den Kapiteln der “Wilden Jagd”, des Gespensterzugs vor der Hu¨tte Urakas. Nicht nur die sIten mythologischen Figuren sondern such die lebensfrohen Dichter Goethe und Schakespeares, die lebenslang von den asketischen Puritanern verflucht wurden, nehmen an diesem Jagdzug der Lebenslust teil. Die zentralen Figuren des Jagdzugs, Diana, Abunde und Herodias geho¨ren mit ihren seltsamen Mischungen von Sinnlichkeit, Gewalt uiid Tod zu den ‘femmes fatales’, die damals schon von der franzo¨sischen Romantik angebeten wurden, Heines originelle Interpretation der Geschichte Herodias, die aus Liebe zu ihm den Kopf des Johannes des Ta¨ufers verlangt, ist spa¨ter von den A¨sthetizisten im Fin de siecle, besonders von Oscar Wilde in “Salome” rezipiert worden. Heine selber macht aber auch hier mit seiner heiter-ironischen Signale in der Stilhaltung seine Distanz zu der modischen ‘femme fatale’-Kult sichtbar. An dem durch die Magie Urakas zu einem Mops verwandelten schwa¨bischen Dichter wird das beliebte romantische Motiv der Metamorphose ins Satirische umgeschlagen. Der konservative Mops steht zwar politisch dem “Tendenzbar” Troll gegenu¨ber, aber bei den beiden gibt es in dem Sinne Gemeinsamkeiten, daß sie “gute Leute aber schlechte Musikanten” sind, also den Charakter dem ku¨nstlerischen Talent vorzieht und die Kunst religio¨s, moralisch oder politisch instrumentalisiert. Heine versteht sein “freie (s) Waldlied der Romantik” als das absichtliche Gegenteil zu alien Vereinnahmungen der Poesie zugunsten des anderen Zwecks. Im sogenannten kunsttheoretischen-Caput Ⅲ besingt er die Zwecklosigkeit seines Liedes. Aber diese Akzentuierrung der Kunstautonomie ist bei Heine nicht mit dem Autarkieanapruch der l’art pour l’art zu verwechseln. Unser Versepos selber, das voll von Zeitanspielungen und Satiren sind, ist dafu¨r ein guter Beweis. “Atta Troll” hat zwar viele romantische Elemente, na¨hert sich aber mit dem allegorischen Hauptfigur und den eindeutigen Zeitsatiren der Aufkla¨rung. Heine hat spa¨ter im “Gestandnisse” sein Leben ru¨ckblickend gesagt, daß mit ihm die Romantik zu Ende gegangen sei und zugleich die moderne Lyrik begonnen habe. Hier rechnet er noch “Atta Troll” der Romantik zu. Vom heutigen Standpunkt aus erscheint aber “Atta Troll”s andere Romantik der Moderne na¨her : nicht im formala¨sthetiachen Sinne Sondern als eine kritische Fortsetzung der Aufkla¨rung und der Romantik.