Viele Werke Heinrich Bo¨lls sind trotz ihrer hervorragenden Stellung in der deutschen Nachkriegaliteratur und trotz ihrer Auazeichnung durch den Nobelpreis nicht unumatritten ; besondera die Literaturkritik bema¨ngelt ihre tendenzibs-simplifizierende Schwarz-Weiß-Malerei : Figuren, die Erfolg haben und reich sind, werden grundsa¨tzlich negativ geaehen ; Figuren, die dagegen arm und unangepaßt sind, werden positiv und vorbildhaft dargestellt. Es darf dabei allerdings nicht u¨bersehen werden, daß die unangepaßten Figuren in Bo¨lls Werken einen Topoa bilden, der nicht ausschließlich binnenliterariach zu beurteilen ist, sondern auch auf dem Hintergrund der sozial-o¨konomischen Entwicklung der fru¨hen 50iger Jahre betrachtet werden muß. Der vorliegende Aufsatz will zeigen, inwiefern der Bo¨llsche Typus des ”outsiders” auf dem Hintergrund der bundearepublikanischen Wirklichkeit der 50iger Jahre zu beurteilen ist und wie er von dort aus seine literariache Funktion erfu¨llt. In Anschluß an das erste Kapitel, das als Vorwort dient, befaßt aich das zweite Kapitel zuna¨chst mit der deutschen Nachkriegssituation : mit der CDU-Politik der Westintegration und der sozialen Marktwirtschaft, die den Bu¨rgern zwar Wohlstand brachte, ihnen aber auch-mit der Parole ”A¨rmel aufkra¨mpeln...“-ein erheblichea Maß an F1eiß und Wohlverhalten abverlangte. Alsdann wird die ”statiache” Tendenz im kulturellen Bereich untersucht, das durch die Restitution der kapitalistiachen Wirtschaftsordnung und durch die damit verbundane politische Reatauration unterstu¨tzt wurde. Auf diesem Hintergrund etablierte und entfaltete sich aladann der kritische Geist der Gruppe 47. Die Gruppe 47 verfolgte, mehr oder weniger bewußt, zwei Richtungen : einerseits eine nach außen orientierte, pa¨tdagogische-moralische und andererseits eine nach innen orientierte, literarisch antiepigonale, innovative Richtung. Die a¨sthetischen Vorstellungen der Gruppe 47 waren zuna¨chst reduktioniatisch und bilanzierend : der weithin bekannt gewordene Begriff der ”Kahlachlag-Literatur“ zeigt dies pointiert und beispielhaft (vgl. dazu insbeaondere such das Gedicht ”Inventur” von Gunter Eich). Im Anschluß daran wird im dritten Kapitel Sinn und Wert der Figuren im Bbllschen Fruhwerk untersucht. Dies geschieht zuna¨chst anhand der Analyse der Erza¨hlung Die schwarzen Schafe. Oberfla¨chlich betrachtet formuliert die Geschichte Die schwarzen Schafe einen vergleichsweise milden Protest gegenu¨ber dem geistlosen Materialismus der Zeit und der enormen Tu¨chtigkeit der Bevo¨lkerung. Doch wird hier ein Topos aktiviert-der des ”schwarzen Schafes”-der u¨ber Bills Werk hinaus die sozial-humane Einstellung der gesamten Gruppe 47 widerspiegelt. Das ”schwarzen Schaf“ ist der Typus des Gedankenvoll-Unangepaßten, der die Kriegsjahre weder vergessen kann noch sie zu verdra¨ngen beabsichtigt, und der im Lebenskampf, der durch die ”freie Marktwirtschaft“ entfesselt wird, einen neuen Krieg sieht : den unbarmherzigen Konkurrenzkampf. Als empo¨rend empfindet es auch die unkritische Haltung der Kirchen, die zu den auseinanderdriftenden Lebensstandards von Reich und Arm schweigt, sie stillschweigend sogar gut zu heißen scheint. Die Entta¨uschung u¨ber das mangelnde soziale Engegement der Kirchen gelit einher mit einer theologisch-religio¨sen Krise ; der Glaube an Gott ist nicht mehr selbstverstandlicher geistiger Besitz. Das ”schwarze Schaf“ ist der nicht system-konforme Mensch, der an der sozialen Umwelt ebenso verzweifelt wie an den geistigen Grundlagen der neuen Gesellschaft. Er ist der Gegenpol zum reibungslos funktionierenden, Reichtum anha¨ufenden Besitzbu¨rger, der zwar einen gewissen Geschmack zu entwickeln vermag, aber keine auf den Mitmenschen bezogene Moral. Aus den bisherigen Untersuchungen zu den Bo¨llschen Figuren und Gegen-Figuren kann folgendes Fazit gezogen werden : Die jewells einseitig angelegten Figuren im Bo¨llschen Werk sollten nic