Seitdem die Literaturwissenschaft bemu¨ht sich darum hat, ihr traditionelles Arbeitgebiet zu erweitern und die Funktionen der Literatur in der Gesellschaft zu erkla¨ren, konzentriert sich ihre Interesse immer noch dominant auf die Thematik des Texts. In zahlreichen Arbeiten zur Ho¨lderlins Dichtung meistens erstrebt man, u¨ber die Analyse ihres inhaltlich-thematischen Aspekts ihre Literarizita¨t bzw. ihres Dichterischen zu ermitteln. Aber die Frage nach dem Dichterischen ko¨nnten nicht in der Thematik begrenzt werden, weil die Bestimmung des Dichterischen, nicht nur im Tnhalt, sondern auch in der Darstellungsweise gesucht werden muß. Eigentlich ist das Spezifikum des literarischen Texts die Anwendung seines Materials, na¨mlich des Sprache. Mit dieser Voraussetzung untersueht die vorliegende Arbeit das Wesen und Struktur der Ho¨lderinischen poetischen Sprache, ohne doch auf einen kurzen U¨berblick auf die Auseinandersetzung mit verschiedenen Ansa¨tzen zum Begriff der poetischen Sprache einschließlich Ho¨lderlins A¨ußerungen in seinen theoretischen Aufsa¨tzen zu verzichten. In dem ersten Schritt wurde daraufhin zu Beginn dieser Arbeit untersucht, in wiefern bereits die sprachtheoretische Konzeptionen der poetischen Sprache, besonders im Zusammenhang mit der Untersuchung des Russischen Formalismus ein geeignetes Instrumentarium zur Beschreibung des von der prosaischen Sprache prinzipiell abweichenden Sprachgebrauchs in lyrischen Texten bereitstellen. Dabei sollte man zum Ergebnis kommen, daß das Deviationsmodell und die Abweichungstheorie durchaus innerhalb des Vergleichsschemas Dichtersprache-Alltagssprache bleiben. Wenn man dagagen nach der hermeneutischen Sprachphilosophie voraussetzt, daß Sprachverwendung auch im allta¨glichen Sprechen kein starr regulierter Gebrauch von eindeutigen Zeichen, sondern ein potentiell dynamischer, interpretativer Prozeß, so erweist rich diese Differenz als nur graduelle. Darin kann man einen Ausweg aus dem nur in der Theorie bleibenden Diviationsmodell finden, Diese graduelle Diefferenz zwischen poetischer Sprache : bzw. Sprache in der Lyrik und Alltagssprache besteht in den Merkmalen der Lyrik. Die sind, wenn auch eine mnemotechnische Formel, Metrum und Metapher. Natu¨rlich bezeichnet Metapher den gesamten Bereich der Metaphorik, der Bildlichkeit. In dem Maße wie die Metapher zum Inbegriff der dichterischen Sprache wird, erweitert sich der Metaphernbegriff, so daß in letzter Konsequenz einzelne Sprachkunstwerke, ja Dichtung uberhaupt als Metapher bezeichnet werden. Ho¨lderlin hat schon in deisem Zusammenhang gesagt, daß die Dichtung selbst ein Metapher sei. Die eigentliche Fragestellung der vorliegenden Arbeit also es sein muß, wie der Dichter Ho¨lderlin mit seiner poetischen Sprache, bzw. der Metaphorik einem vorgegebenden Sachverhalt neu und ungewohnt benennt, und wie er seine Stellung zum Bennanten ausspricht. Also geht es darum in dieser Arbeit, u¨ber die Analysa der Metaphorik bzw. von Metapher und Vergleich die Individualita¨t und perso¨nliche Welthaltung des Dichters herauszustellen. Durch zwei Hauptarten der Metaphorik, Vergleich und Metapher stellt der Dichter zwei Bereiche nebenander und setzt sie zueinander in Bezug. Der Dichter bringt in der Metaphorik seine Sicht der Welt ins Wort, er hebt u¨bersteigend und beteuernd Einzelzu¨ge des von ihm Besprochenen besonders hervor, sucht durch Aufzeigen ein anders nicht Benennbares, das er erfahren hat, auszusprechen oder hebt in dieser Form der Aussage sonst verborgene Beziehungen und Verwandtschaften ans Licht, In Allgemeinen besteht man darauf, daß Vergleich eindeutig und durchsichtig im Gegensatz zur Metapher sein muß. In diesem Sinn mag Gottfried Benn Wie-Vergleich als ein verderbtes Mittel in der modernen Lyrik ablehnen. Ho¨lderlin sucht aber in semen spa¨ten Gedichten durch die Vergleiche Einzelzu¨ge der Aussage u¨berscharf herauszustellen. Er erreicht dies durch das unvermutete Heranziehen s