Die Aufgabe dieser Arbeit besteht darin, die Beziehung zwischen dem $lt;Volk$gt; und dem Ku¨nstlertum Rilkes durch die Analyse einiger Gedichte aus 「arenopfer」 zu erhellen. Das Wort $lt;Volk$gt; erscheint bei Rilke sehr ha¨ufig, besonders in seinen fru¨hen Werken. Diese Tatsache bezieht sick darauf, daß der junge Rilke in Prag, wo damals die Bo¨hmer unter der Herrschaft des O¨sterreichs standen, mit seiner ersten literarischen Karriere begann. Deswegen mu¨ssen wir die Vorstellung vom Volk Rilkes in Bezug auf sein Gefu¨hl f¨ur die bo¨hmische Heimat, ihre Natur und ihre Geschichte in Betracht ziehen. Rilke nimmt die Form des Volksliedes in Verwendung, um seine Bekenntnisse zum bo¨hmischen Volk auszudru¨cken. Sein Interesse am tschechischen Volk konzentriert sich auf dessen poetische Qualita¨ten. f¨ur ihn stellt die Volkspoesie die entscheidende A¨ußerung des Volkes dar. Mit Verbleib im Banalen, $lt;dem Volkslied$gt;, setzt Rilke ein sehr naives Lesepublikum, $lt;das Volk$gt; voraus, mag indessen dort $lt;Freude$gt; f¨ur das Volk erwecken. Im Gedicht 『Trotzdem』 stellt sick Rilke bei einem Vergleich mit dem sagenumwobenen tschechischen Ritter Dalibor in die Tradtionslinie des tschechischen nationalen Patriotismus. Aber die biographische Situation des jungen Dichters dra¨ngt sich als die eigentliche Motivation auf, diesen historischen Gegenstand zu adaptieren. Also diem ihm das Dalibor-Motiv als Chiffre seiner eigenen beklemmenden familia』ren Situation. Preisner sagt von der ahistorischen Mythisierung vom Volk Rilkes. Dazu trug die unu』berschreitbare Distant zwischen dem Prager Deutschtum und dem Volke bei, bedingt durch die historisch-soziale Tatsache, daß $lt;das Volk$gt; in Prag und Bo¨hmen das tschechische Volk gewesen ist. Aus diesem Umstand, nachdem Rilke Prag und sein familiales Milieu verlassen hatte, war das Volk f¨ur seine Zwecke untauglich geworden. Nicht nur als Sujet von Literatur, auch als mo¨glichem Rezipienten seiner dichterischen Werke hatte Rilke ihm den Abschied gegeben. Wie sehr sich seine Intention, Dichtung f¨ur das Volk zu schreiben und das Volk zum Gegenstand von Dichtungen zu machen, wandelte, zeigen seine spa¨tere Werke wie auch zahlreiche Briefstellen. Das Selbstbewußtsein des jungen Autors und sein una¨blassiges Dra¨ngen hatten den stilisierten Vorsatz der sozialen Mission verdra¨ngt.