In dieser Abhandlung versuche ich, Aufbau and wesentlichen Inhalt des $quot;Das Jahr Lazertis$quot; zu deuten. In diesem Werk begegnen wir den Motiven auch, die in Eichs Horspielen der funfziger Jahr auftauchen: die Frage nach demr Gluck, der Identitatswechsel, ein anderer zu sein and das Einverstandnis des Helden mit dem Schicksal. Paul erzahlt ruckblickend sein Leben von jenem bestimmten Moment an. Das druckt sich formal in einem Wechsel von Monologen Pauls mit den Dialogen der anderen Personen aus. Eich leitet nicht technisch, sondern sprachlich von einer Szene zur anderen uber. Hier spielt die objektive Zeit keine Rolle, nur de Erlebniszeit ist wichtig. In ihr ist sogar die Aufhebung der Zeit in einzelnen Augenblick (der transzendente Augenblick Manuelas and Richards`) mSglich. Eine entscheidende Wende in Pauls Leben haben namlich die Ereignisse eines bestimmten Jahres ausgelSst, das er in seiner Erinnerung `Lazertis` nannte, da er die Jahreszahl vergessen hat. Er horte das Wort in der Neujahresnacht dieses Jahres im Halbschlaf and suchte seitdem nach dem Wort, das alle Geheimnisse 1Sst. Er findet namlich Laparte, der das Gluck verkauft. Laparte sage ihm, daB er kein Gluck haben wird and daB in mancher Hinsicht, es Gluck ist, keines zu haben. Auf der Suche each dem Wort macht Paul Lapartes Expedition mit. Auf dieser erfahrt er einen beinahe paradiesischen Gluckszustand, als er im Indiensdorf Eidechsenbilder malt. Hier wird Eichs Gluckseligkeitslehre deutlich. Und dies ist der HShe-and zugleich eine Andeutung des Wendepunktes. Er begegnet spater dem kranken Richards and damit wird fur ihn der Begriff `Lazarus` bedeutsam, Paul erlebt Richards` Tod. Nun weiB er, daB die eigentliche Antwort imrner der Tod ist and daB das bisherige Leben ein verfehltes Leben ist, Auf der Reise fuhlt sich Paul durch das Elend der Menschen zur Hilfe, zur Linderung verpflicht. In dem Augenblick, als Zeit and Raum aufgehoben sind, geschieht eine Art Identitatswechsel, durch den Manuela and Richards verwandelt werden, Die vbllige Erkenntnis des Daseins wird ihnen dabei zuteil, nachher ist ihnen nichts mehr fremd, Damit sind sie aber auch aus der Gesellschaft `ausgesetzt` in einer Weit, die gewahnlich unvertraut and unbekannt, ihnen aber seltsam vertraut ist, Dafur ist der Aussatz, jene Krankheit, die Richards bekommt, nur ein Symbol, Seine Sehnsucht, das Absolute zu fassen, treibt ihn, Paul bringt `Lazertis` zu verschiedenen Menschen, die es je wieder anderes and ortsgebunden interpretieren and damit EinftuB auf sein Schicksal gewinnen. Die verschiedenen Stationen von Pauls Reise, welche je durch eine Variation des Wortes `Lazertis` gekennzeichnet sind, bringen ihn zum Einverstandnis mit der Endlichkeit seines Daseins and zur Einsicht in die Unerreichbarkeit des Absoluten, Dem Menschen sind immer nur Teilaspekte der Wahrheit zu erkennen mbglich, Das unerreichbare Absolute muB in Erreichbares umgesetzt werden, Die Variationen des Wortes `Lazertis` ergeben sich: Lezerten; Eidechse Laertes; der Vater von Odyssues wartet auf die Heimkehr des Sohnes, Lazarus; Nachstenliebe Laertes; Der Bruder von Ophelia, die Hamlet liebt and wannsinnig wird and sich ertrankt, la certitude; fr, GewiBheit La Certosa; Die Kartause ist ein Leprosenheim and war fruher offenbar ein Kartauserkloster, Torbogen befindet sick am Ende dea H~rspiels wirklich in Certosa (=Leprosenheim), den Paul am Anfang aus Blei gemacht hat, um seine Zukunft zu erfahren. Das wird deutlich, daB er am Ziel gekommen ist. Er entschlieBt hier zu bleiben, Bleiben hier meint nicht einfach das reale Hierbleiben, sondern eine innere Haltung Pauls,