Hermann Hesse und Thomas Mann waren leidenschaftliche Kinobesucher und haben sich produktiv mit dem Film als Kunstform auseinandergesetzt. Aber in der Phase, in der Kurgast(1923) und Der Zauberberg(1924) entstanden, war die Haltung beider Schriftsteller diesem neuen Medium gegenüber noch nicht so positiv. Die Erfahrungen mit dem damaligen Kino wurden in den beiden Werken fast nur in negativer Hinsicht gestaltet, und zwar aus der Perspektive des Kurgastes, der sowohl körperlich als auch psychisch geschwächt ist. Der Film produziert nämlich in der Nachfolge der Phantasmagorie Trugbzw. Scheinbilder, in denen sich die Kinobesucher hoffnungslos verlieren. Der Erzähler sieht in der Haltung des Filmkonsumenten eine Wiederspiegelung des zivilisierten gesellschaftlichen Lebens und lacht mit Humor darüber, dass jemand, der einen edlen Kunstgeschmack für sich in Anspruch genommen hat, im Krankenstand auf die bisher gewahrte Distanz verzichtet und zu einem ‘durchschnittlichen’ Konsumenten wird. Das ist zwar eine Art der Selbstkritik, aber keine rein negative, sondern eher eine humorvolle. Somit verwenden beide Schriftsteller in ihren Werken in Bezug auf die Kinoerfahrung das Humorprinzip, um sich selbst zum Gegenstand des Scherzes zu machen. Es bleibt aber auch festzustellen, dass die beiden Schriftsteller gegenüber dem noch nicht etablierten Kunstmedium Film ihre später klare Position noch nicht gefunden haben.