Berlin ist seit mehreren Jahrhunderten ein Zentrum der europäischen Politik, Wirtschaft und Kultur gewesen. Die Metropole hat sich deshalb als Hauptbuhne fur die Kunst- und Kulturschaffenden präsentiert. Wie in der Vergangenheit erscheint Berlin so auch häufig in der deutschen Gegenwartsliteratur seit den neunziger Jahren des 20. Jahrhunderts als Lebensraum der jungeren Generation.
In der vorliegenden Arbeit wird zunächst das literarische Umfeld der jungeren Generation nach der Wiedervereinigung in Berlin näher untersucht. Es geht um die verschiedenen Förderungsmaßnahmen und literarischen Veranstaltungen wie Autorenlesungen, Lesebuhnen und Autorenwerkstätten usw. Dabei ist es auch von Interesse, wie die jungeren Autorinnen und Autoren ihre Schreibweisen und ihren Erzählstil entwickelt haben und von welchen Vorbildern sie beeinflusst worden sind.
Danach werden die Erzählungen von Judith Hermann, einer der repräsentativen Autoren der deutschen Gegenwartsliteratur, unter die Lupe genommen und Berlin wird als Ort der Jugendkultur in ihren Texten analysiert. Hier werden ihre ersten zwei Erzählbände Sommerhaus, später(1998) und Nichts als Gespenster(2003), in denen Berlin noch als Hintergrund der Erzählung fungiert, zur Analyse herangezogen.
Im nächsten Schritt wird eine Charakterisierung der ‘Berlinliteratur’ aus soziokultureller Sicht versucht und zum Schluss wird die Schreibweise von Judith Hermann, die am US-amerikanischen Schriftsteller Raymond Carver geschult ist und als ‘Poetik der Oberfläche’ bezeichnet worden ist, in Zusammenhang mit ihrer Weltsicht betrachtet.