Christian Krachts Roman Imperium loste gleich nach seinem Erscheinen im Februar 2012 heftige Diskussionen unter Kritikern, Autoren und Journalisten aus. Die scharfste Kritik am Roman ubte Georg Diez, der im Magazin Der Spiegel schrieb, dass Imperium “von einer rassistischen Weltsicht durchdrungen” sei. Darauf folgten diverse Pro- und Kontra-Meinungen uber den Roman. Die meisten positiven Rezensionen lobten den Roman, indem sie Krachts humoristische und ironische Schreibweise anerkannten. Mit der Zeit uberstiegen die positiven Meinungen die negativen. Noch im selben Jahr wurden dem Autor zwei Literaturpreise verliehen, der Grosse Literaturpreis von Stadt und Kanton Bern und der Wilhelm-Raabe-Literaturpreis. Damit fanden die Diskussionen ein Ende und auch Krachts Ruhm als Autor wurde verteidigt.
Es liegt durchaus auch im Interesse der Auslandsgermanistik, zu erforschen, wie ein neu erschienener deutscher Gegenwartsroman vom dortigen Literaturmarkt sowie von der Kritik rezipiert wird. Außerdem handelt Imperium von der deutschen Kolonialzeit in der Sudsee, was heute ein seltener Fall ist. Mit einem solcherart gearteten Interesse versucht die vorliegende Untersuchung zunachst sich den literarischen Diskussionen um den Roman Imperium zu nahern. Daruber hinaus wird untersucht, wie Kracht die historische Geschichte von dem Vegetarier und Nudisten August Engelhardt, der versuchte zu Beginn des 20. Jahrhunderts auf der Insel Kabakon innerhalb der deutschen Sudseekolonie eine utopische Gemeinschaft zu stiften, literarisch bearbeitet hat. Der Schwerpunkt der Arbeit liegt vor allem darin, die im Roman angewandte Erzahltechnik herauszuarbeiten.
Im Anschluss an die Analyse des Romans wird aufgezeigt, wie Kracht den historischen Stoff aus postkolonialer Perspektive sowohl metahistoriographisch als auch metafiktional, metanarrativ und intertextuell verarbeitet. Dadurch gewinnt der Roman den ausgepragten Charakter einer postmodernen Erzahlung.