Der vorliegende Aufsatz konzentriert sich auf die Analyse moderner deutscher Kinder- und Adoleszenzromane seit 1990. Es wurden der Kinderroman von Andreas Steinhofel Rico, Oskar und die Tieferschatten (2008) und der Adoleszenzroman von Thomas Brussig Wasserfarben (1991) als reprasentativste Beispiele herangezogen und interpretiert. Der Modernisierungsprozess zieht kontinuierlich Veranderungen der Kindheit nach sich, die mit den Begriffen “Medienkindheit” und “Technikkindheit” umrissen worden sind. Nach der sozialgeschichtlichen Diagnose Ulrich Becks der “Risiko-Gesellschaft”, wachsen Kinder und Jugendliche zur Zeit unter drastischen sozialen Veranderungen heran, die von latenten Gefahren, etwa der Atomkraft oder von Naturkatastrophen, begleitet werden. Vor diesem Hintergrund richtet sich der Fokus der Untersuchung auf den Wechsel der Paradigmen in der aktuellen deutschen Kinder- und Jugendliteratur. In Bezug auf diesen Paradigmenwechsel wurden Kinder- und Adoleszenzromane analysiert, in denen sowohl neue Themen wie veranderte Wirklichkeitsauffassungen und die "Pluralisierung der Geschlechterrollen", als auch veranderte Kindheitsvorstellungen aufgegriffen werden, und in denen dadurch die Grenze zwischen der Erwachsenenliteratur und der Kinder-und Jugendliteratur aufgehoben wird. Dabei werden politisch-kritische Tendenzen gemildert und der Blickwinkel mehr auf die psychologische Innenwelt der Kinder und Jugendlichen gerichtet. Steinhofel behandelt Themen wie das Erleben der modernen Gesellschaft durch Kinder und die Wahrnehmung veranderter Milieus. Dabei betont der vorliegende Aufsatz, dass die aktuellen Kinderromane sich auf die kindliche Innenwelt und das psychologische Empfinden gegenuber der veranderten Umgebung konzentrieren. Hinsichtlich Brussigs Adoleszenzroman zeigt sich die Tendenz, dass Brussig die Kritik an den Widerspruchen der sozialistischen Wirklichkeit in der ehemaligen DDR hervorhebt. Aus der Perspektive eines jungen Abiturienten wird die alltagliche Lebenswelt in Schule und Familie realistisch geschildert und dadurch die Suche nach Identitat der Jugendlichen in der ehemaligen DDR dargestellt.